Untertitel: Warum Fantasiezahlen auf Folien Steuergeld gefährden – und wie ehrliche Effizienzrendite aussieht.
Eine Folie verspricht Millionen. Ein Portal geht live. Die Medienbrüche bleiben. Die Nacharbeit wächst. Die versprochene Einsparung ist nirgends verbucht.
Das eigentliche Problem ist nicht, dass Effizienzprojekte scheitern können. Es ist, dass Einsparpotenziale und ROI oft ohne Quellen und ohne Methode behauptet werden – und als Erfolg gelten, sobald das Budget freigegeben ist.
Die These in einem Satz
Effizienzrendite ist nur glaubwürdig, wenn Einsparungen und ROI mit transparenter Methode und nachvollziehbaren Quellen gerechnet werden – nicht mit Fantasiezahlen.
Kein Zwang zu erfundenen Milliardeneinsparungen. Kein Kahlschlag unter Effizienz-Label. Sondern: Quellen vor Behauptung, Vollkosten rechnen, Rendite ehrlich steuern.
Wo Schein-ROI herkommt
Falsche Effizienzrendite entsteht strukturell: nur Projektkosten statt Vollkosten, eine Fixzahl statt Bandbreite mit Annahmen, einmalige IT-Budgets vermischt mit wiederkehrenden Prozessgewinnen, und „Digitalisierung“ als Ursache – ohne den konkreten Prozess zu messen.
Dann gewinnt die Präsentation. Das Steuergeld verliert.
Was es nicht ist
Quellenbasierter ROI ist kein Marketing-Theater und kein Abbau von Qualität. Er spart an Doppelarbeit und Reibung – nicht an der Ehrlichkeit der Zahlen und nicht an Sorgfalt.
Marketing-ROI liefert eine große Zahl. Quellenbasierter ROI liefert Bandbreite, Annahmen, Quellen und Nachmessung.
Drei Säulen
1. Baseline und Vollkosten
Bearbeitungszeit, Medienbrüche, Fehlbescheid- und Korrekturquote, Kosten pro Fall inkl. Nacharbeit. Bürgerlast, wo greifbar. Messbar: dokumentierte Ausgangslage pro Vorgangstyp – bevor investiert wird. Ohne Baseline ist jede Einsparung eine Behauptung.
2. Einsparungen quellenbasiert schätzen
Intervention klar abgrenzen: welcher Prozess, welche Schritte, welcher Horizont. Bandbreiten statt Scheingenauigkeit. Annahmenliste in der Entscheidungsvorlage. Quellen benennen: interne Ist-Daten, anerkannte Vergleiche, vergleichbare Behörden. Keine globale „Digital spart X %“-Zahl ohne Fallbezug.
3. ROI steuern, nicht nur verkaufen
Investition über Aufbau und Betrieb (3–5 Jahre). Gleiche Messdefinition Vorher/Nachher. Realisierungs-Review nach 6/12/24 Monaten: Plan vs. Ist. Was nicht realisiert wurde, fließt in die nächste Priorisierung. Wer nur am Kick-off rechnet, steuert im Blindflug.
Der kulturelle Kern
| Marketing-ROI | Quellenbasierter ROI |
|---|---|
| Eine große Zahl | Bandbreite + Annahmen + Quellen |
| Nur Projektbudget | Vollkosten inkl. Nacharbeit |
| „Digital spart“ | „Dieser Prozess – hier gemessen“ |
| Plan am Kick-off | Ist nach 6/12/24 Monaten |
Die Leitfrage: Behandeln wir Effizienzrendite als Verkaufshilfe für Budgets – oder als ehrliches Steuerungsinstrument für Steuergeld?
Entscheidungsfilter
- Steht hinter jeder Einsparungszahl eine Quelle und eine Annahmenliste?
- Rechnen wir Vollkosten – inkl. Betrieb, Nacharbeit und Bürgerlast?
- Ist der ROI pro Prozess definiert – oder nur als globale Story?
- Messen wir Realisierung nach – oder endet die Rechnung am Kick-off?
- Sparen wir an Reibung und Doppelarbeit – oder an der Ehrlichkeit der Zahlen?
Kurzformel
Quellen vor Behauptung · Vollkosten rechnen · Rendite ehrlich steuern
Wer investiert, rechnet nach. Wer spart, belegt es. Steuergeld verdient Belege – nicht Theater.