Untertitel: Warum Portale aus weniger Reibung leben – und nicht aus Banner am Schalter.
Ein Amt plant ein neues Portal. Im Finanzierungsmodell tauchen Werbeflächen, Partnerangebote und „Premium-Tempo“ auf. Parallel laufen dieselben Medienbrüche: Online-Formular, manuelle Akte, doppelte Eingaben, Widersprüche.
Wer Steuern zahlt, finanziert den Staat bereits. Werbung im Pflichtportal fühlt sich an wie eine zweite Rechnung – und lenkt vom eigentlichen Hebel ab.
Die These in einem Satz
Staatliche Digitalisierung und Portale finanzieren sich aus eingesparter Reibung und weniger Nacharbeit – nicht aus Werbung, Upsells oder Aufmerksamkeitsgeschäften am Bürger.
Effizienz finanziert den Dienst. Werbung nicht. Reibung messen und abbauen.
Falsche Finanzierungslogik
„Muss sich tragen“ wird zu Werbung und Upsell. Tempo wird verkauft, weil der Standard absichtlich schlecht bleibt. Reibung und Nacharbeit tauchen im Business Case gar nicht auf. Am Ende zahlt der Bürger doppelt – und die Doppelarbeit läuft trotzdem.
Was es nicht ist
Kein Bann jeder Gebühr. Kein „alles kostenlos“. Kein Kahlschlag von Schutzregeln. Gebühren mit Rechtsgrundlage und echter Kostendeckung bleiben möglich. Private dürfen betreiben.
Entscheidend ist die Logik: Digitalisierung rechnet sich über weniger Reibung – nicht über Banner am Schalter.
Drei Säulen
1. Business Case auf Gesamtkosten pro Fall
Baseline in Minuten und Euro – inklusive Nacharbeit, Widerspruch und Korrektur. Zielbild mit Once-Only und Ende-zu-Ende. Der Effizienzgewinn ist die Finanzierungsquelle – nicht die Werbefläche. Messbar am Kostenvergleich vor und nach dem Prozess.
2. Keine Werbe- und Upsell-Finanzierung am Pflichtkontakt
Amtliche Oberflächen ohne Werbung und Partner-Upsells. Kein Premium-Tempo gegen absichtlich langsamen Standard. Daten und Aufmerksamkeit kein Nebenbusiness. Messbar: null Werbeflächen in Pflichtportalen.
3. Reibung abbauen und freisetzen
Medienbrüche zählen und streichen. Fehlbescheide und Korrekturschleifen als Kosten- und Lernsignal. Standardfälle schnell und klar – damit Härtefälle menschliche Aufmerksamkeit behalten. Messbar an Korrekturquote und Bearbeitungszeit inklusive Nacharbeit.
Der kulturelle Kern
| Über Werbung | Über Effizienz |
|---|---|
| Bürger als Zielgruppe | Bürger als Auftraggeber |
| Portal als Marktplatz | Portal als Dienst |
| Einnahme am Kontakt | Einsparung in der Kette |
| Standard oft absichtlich schlecht | Standard wird besser |
Die Leitfrage: Würden wir dieses Portal noch brauchen, wenn wir die Reibungskosten ehrlich rechnen – und trotzdem Werbung brauchen?
Entscheidungsfilter
- Rechnet der Business Case Gesamtkosten pro Fall inkl. Nacharbeit?
- Gibt es Werbung, Upsells oder Premium gegen künstlich schlechten Standard?
- Entstehen die Euro aus weniger Reibung – oder aus dem Bürgerkontakt als Ware?
- Sinken Medienbrüche, Korrekturen und Wartezeiten messbar?
- Bleibt die Pflichtleistung ohne Paywall und ohne Werbeinventar?
Kurzformel
Effizienz finanziert den Dienst · Werbung nicht · Reibung messen und abbauen